Nandumonitoring


Informationsseite der Arbeitsgruppe Nandumonitoring.

Seit ca. 17 Jahren existiert im Landkreis Nordwestmecklenburg eine frei lebende Population von Nandus (Rhea americana, Linnaeus 1758). Der Ursprung dieser Neopopulation ist im schleswig-holsteinischen Groß Grönau zu finden. In einem Gehege wurden siet den 1990ern bis 2009 Nandus gehalten. Durch mangelhafte und teilweise fehlende Einzäunung konnten mehrfach Nandus aus dem Gehege ausbrechen. Auch über den angrenzenden Fluss Wakenitz konnten die Tiere nach Mecklenburg-Vorpommern gelangen. Es wird von mehreren Ausbrüchen beginnend Ende der 1990er bis 2009 ausgegangen. Die offizielle Erstmeldung aus dem Jahr 2000 betrug sieben Tiere. Wieviele Tiere jedoch vorab sowie nach diesem Zeitpunkt entflohen sind ist nicht genau bekannt. Durch das unterlassene Einfangen seitens des Halters verblieben die Nandus frei in der Landschaft und vermehrten sich. In Europa ist dies der erste bekannte Fall einer solchen wildlebenden Population von Nandus.

Die Arbeitsgruppe Nandumonitoring besteht aus Wissenschaftlern und Naturschützern unterschiedlicher Fachgebiete, die gemeinsam die Nandupopulation und deren Entwicklung studieren und die Ergebnisse dokumentieren (Monitoring). Zudem führen wir Studien und Untersuchungen durch, um Auswirkungen dieser Tierart frühzeitig prognostizieren zu können. Das Populations- und Dispersionsmonitoring führen wir im Auftrag des Landesamtes für Umwelt, Naturschutz und Geologie (LUNG M-V) seit 2008 durch. Zudem sind
wir Informationspartner für Behörden, Bürger, sowie Naturschutzverbände.

Unsere Tätigkeit beruht dabei auf § 40 Abs. 2 BNatSchG, das eine Überwachung und Kontrolle potenziell invasiver Arten fordert.

Wenn sie unsere Arbeit unterstützen möchten, dann können Sie Beobachtungen frei lebender Nandus oder auch Gehegeflüchtlingen über das Eingabeformular direkt an uns melden. Ihre Daten werden vertraulich behandelt und dienen der Dokumentation der Ausbreitung der Art.
Für Studierende bieten wir einen fachliche Betreuung
und Recherchemöglichkeiten für themenbezogene Abschlussarbeiten.

Haben Sie Fragen, Hinweise oder Anmerkungen, dann nutzen Sie die Kontaktmöglichkeiten zur Arbeitsgruppe.



Aktuelles

04/2017: Die ersten fünf Monate unseres Tracking-Projektes sind erflogreich verlaufen. Wir konnten bislang über 2.500 Positionsdaten von jeweils drei Tieren während der Wintermonate und des beginnenden Frühjahrs erhalten. Eine weitere Henne haben wir im März besendern können. Diese ist mit gelbem Halsring und Nummer 11 markiert.
Zusammen mit einer Biotop- und Landnutzungskartierung lassen sich somit saisonal bevorzugte Areale der Tiere ermitteln und erste Einschätzungen zum Invasivitätspotenzial treffen.

11/2016: In einem von der Deutschen Ornithologen-Gesellschaft (DO-G) gefördertem Pilotvorhaben wurden Anfang November 2016 drei Nandus mit farbigen Halsringen markiert. Diese enthalten einen GPS/GSM Sender, um Daten zur Raumnutzung der Tiere zu gewinnen.
Sichtungen der Tiere können unter dem Erfassungsformular "Beobachtungen melden" an die AG Nandumonitoring übermittelt werden. Neben Angaben zur Gruppengröße sind auch Informationen zum gezeigten Verhalten hilfreich für eine weitere Analyse. Die Ringfarben lassen sich per Auswahlfeld anwählen.



Förderer und Unterstützer


       


02/2016: Gehen Sie mit Google Earth auf Nandusafari. Wir haben einige Beispiele in einer kmz Datei zusammengestellt. Sie sollten Google Earth installiert haben und in der Zeitschiene das Luftbild vom 01.07.2015 wählen. Öffnen Sie einfach die kmz Datei unter folgendem Link - Nandus im Luftbild - mit Google Earth.


Häufig gestellte Fragen zum Nandu

Wie kommen die Tiere hier zurecht?

Nandus stammen ursprünglich aus den Offenländern (Chaco, Cerrado, Pantanal, Pampas) Brasiliens, Paraguays, Uruguays und Argentiniens. Das dortige Klima lässt sich als subtropisch im Norden bis gemäßigt im Süden beschreiben. Das Gemäßigte Klima ähnelt dem unseren, sodass auch Nandus bei uns dauerhaft im Freien Überleben können. Als Nahrungsgeneralist ernährt sich der Nandu vorwiegend von pflanzlicher Kost, die er auf Ackerflächen und auf Grünländern findet. Lediglich sehr schneereiche Winter stellen die Tiere vor Herausforderungen um an die zumeist bodennahe Nahrung zu gelangen.

Wie hat sich die Population entwickelt?

Seit dem Beginn der systematischen Erfassungen der Nandupopulation im Jahr 2008 konnten wir jährlich einen konstanten bis rasch wachsenden Bestand feststellen, der im Jahr 2016 mit über 250 erfassten Individuen einen bislang maximalen Wert erreichte. Die Art ist im Begriff sich im Landschaftraum zu etablieren und einen dauerhaft stabilen und wachsenden Bestand zu bilden. Populationsregulierende Ereignisse, wie extreme Witterungsereignisse oder natürliche Prädation treten selten auf, bzw. finden nur in geringem Maße statt.

Was kann aktuell getan werden, um die Population zu kontrollieren?

Die Invasivitätsbewertung des BfN vom 24.09.2010, welche am 30.04.2015 aktualisiert wurde, stuft die Art aufgrund von Hinweisen auf Gefährdungen heimischer Arten sowie des zum Zeitpunkt der Bewertung geringen Kenntnisstandes in die Listenkategorie der Grauen Liste – Beobachtungsliste ein. Hieraus ergibt sich die Empfehlung des vordergründigen Monitorings sowie weiterer Forschungen, um etwaige Kenntnisdefizite zu beheben.
Die gesetzlichen Regelungen des §40 BNatSchG sehen in Bezug auf diese Bewertung eine Beobachtung der Art vor. Dieses Monitoring wird seit 2008 durch die Arbeitsgruppe Nandumonitoring in Kooperation mit den Naturschutzbehörden des Landes Mecklenburg Vorpommern bearbeitet.

Ökologische Auswirkungen konnten bislang durch die Forschungen und das Monitoring jedoch nicht festgestellt. Daher sind Eingriffe in die Population rechtlich nicht begründbar.

Ich habe einen verletzten / toten Nandu gefunden – Was ist zu tun?

Da der Nandu nicht unter das Jagdrecht fällt, liegen die Zuständigkeiten hier bei der jeweiligen Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises. Im Hauptverbreitungsgebiet handelt es sich hierbei um das Biosphärenreservat Schaalsee  sowie die UNB Nordwestmecklenburg.
Melden Sie den Totfund zuerst bei der jeweiligen Behörde sowie über das Kontaktformular sowie des Erfassungsformular für Nandusichtungen dieser Website.
Die toten Tiere werden geborgen und für weitere Untersuchungen (Magenanalysen, Vitalitätsanalysen) konserviert. Bei verletzten Tieren verständigen Sie den Amtstierarzt des jeweiligen Landkreises.